Blutdruckwerte lesen und verstehen

Gesundheit

Verstehen Sie, was die systolischen und diastolischen Blutdruckwerte bedeuten, wie man genau misst und was die verschiedenen Bereiche anzeigen.

Kurze Geschichte der Blutdruckmessung

Die Geschichte der Blutdruckmessung erstreckt sich über Jahrhunderte. 1628 beschrieb der englische Arzt William Harvey den Blutkreislauf und stellte fest, dass das Herz Blut in einem kontinuierlichen Kreislauf durch den Körper pumpt. Die tatsächliche Kraft des Blutes gegen die Arterienwände zu messen, kam jedoch viel später.

1733 führte der englische Geistliche und Wissenschaftler Stephen Hales die erste direkte Blutdruckmessung durch, indem er ein Messingrohr in die Arterie eines Pferdes einführte und maß, wie hoch das Blut in einem Glasrohr stieg — eine invasive und für Menschen unpraktische Methode.

Die moderne Ära begann 1896, als der italienische Arzt Scipione Riva-Rocci das Quecksilbersphygmomanometer erfand. 1905 entdeckte der russische Arzt Nikolai Korotkoff, dass man durch Abhören der beim Ablassen der Manschette entstehenden Geräusche beide Druckwerte messen kann, ohne die Haut zu durchstechen. Diese nicht-invasive Technik ist bis heute die Grundlage jeder Blutdruckmessung.

Was die beiden Zahlen bedeuten

Systolisch (obere Zahl): Der Druck in den Arterien, wenn der Herzmuskel sich zusammenzieht und Blut hinausgepumpt. Dies ist der Spitzendruck in jedem Herzschlagzyklus.

Diastolisch (untere Zahl): Der Druck in den Arterien zwischen den Herzschlägen, wenn der Herzmuskel entspannt und sich wieder füllt. Dies ist der Ruhendruck zwischen den Schlägen.

mmHg: Millimeter Quecksilbersäule — die Einheit zur Angabe des Blutdrucks, ein Erbe der ursprünglichen Quecksilbersäulengeräte.

Blutdruckkategorien (AHA-Leitlinien)

KategorieSystolischDiastolischEmpfohlene Maßnahme
Normal< 120< 80Gesunde Gewohnheiten beibehalten
Erhöht120 – 129< 80Lebensstiländerungen empfohlen
Hypertonie Grad 1130 – 13980 – 89Arzt aufsuchen; ggf. Medikamente
Hypertonie Grad 2≥ 140≥ 90Medizinische Behandlung erforderlich
Hypertensive Krise≥ 180≥ 120Sofort Notarzt aufsuchen

Gesundheitsrisiken bei hohem Blutdruck

  • 1

    Herzinfarkt und koronare Herzkrankheit: Anhaltend hoher Druck schädigt die Innenwände der Arterien, macht sie steif und eng. Das Herz muss härter arbeiten und ein vollständiger Verschluss kann zum Herzinfarkt führen.

  • 2

    Schlaganfall: Hoher Blutdruck ist der größte einzelne Risikofaktor für Schlaganfall. Er kann Gehirnarterien zum Platzen bringen (hämorrhagischer Schlaganfall) oder durch Blutgerinnsel blockieren (ischämischer Schlaganfall).

  • 3

    Nierenschäden (hypertensive Nephropathie): Die Nieren sind auf ein Netz feiner Blutgefäße angewiesen. Chronisch hoher Druck verdickt und verengt diese Gefäße und beeinträchtigt die Filterfähigkeit.

  • 4

    Herzinsuffizienz: Das Herz kompensiert den hohen Druck durch Vergrößerung und Verdickung der Wände. Langfristig wird der Herzmuskel steif und weniger effizient.

  • 5

    Sehverlust (hypertensive Retinopathie): Hoher Druck schädigt die Netzhautgefäße und kann zu verschwommenem Sehen, Augenblutungen und in schweren Fällen zur Erblindung führen.

  • 6

    Aortenaneurysma: Chronisch erhöhter Druck kann die Wände der Aorta schwächen und zur Ausbuchtung (Aneurysma) führen. Ein Riss ist lebensbedrohlich.

Gesundheitsrisiken bei niedrigem Blutdruck

  • 1

    Schwindel und Ohnmacht: Bei plötzlichem Druckabfall — besonders beim schnellen Aufstehen (orthostatische Hypotonie) — nimmt der Blutfluss zum Gehirn vorübergehend ab.

  • 2

    Schock: Sehr niedriger Blutdruck entzieht Organen Sauerstoff und Nährstoffe und ist ein medizinischer Notfall.

  • 3

    Stürze und Verletzungen: Plötzliche Druckabfälle, besonders bei älteren Menschen, erhöhen das Sturzrisiko erheblich.

  • 4

    Herz- und Gehirnkomplikationen: Anhaltend unzureichende Durchblutung kann auch bei niedrigen Werten zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen führen.

Tipps für genaue Heimmessungen

  • 5 Minuten vor der Messung ruhig sitzen — körperliche Aktivität erhöht den Blutdruck vorübergehend.

  • Mindestens 30 Minuten vor der Messung kein Koffein, Alkohol oder Tabak.

  • Arm auf Herzhöhe halten und auf einem Tisch abstützen.

  • Zwei bis drei Messungen im Abstand von einer Minute durchführen und den Durchschnitt notieren.

  • Täglich zur gleichen Zeit messen — idealerweise morgens und abends.

  • Ein validiertes Oberarmgerät verwenden; Handgelenkgeräte sind weniger zuverlässig.

  • Während der Messung nicht sprechen — Sprechen kann die Werte um bis zu 10 mmHg erhöhen.

Wie Sie Ihren Blutdruck ablesen

1

Die zwei Zahlen kennen

Eine Blutdruckmessung zeigt zwei Zahlen, z. B. 120/80 mmHg. Die obere (systolisch) ist der Druck beim Herzschlag, die untere (diastolisch) zwischen den Schlägen.

2

Korrekte Vorbereitung

Mindestens 5 Minuten ruhig sitzen. 30 Minuten vorher kein Koffein, Sport oder Rauchen. Rücken gestützt, Füße flach auf dem Boden, Arm auf Herzhöhe.

3

Manschette korrekt anlegen

Manschette fest um den nackten Oberarm legen, einen Fingerbreit über der Ellenbeuge. Der Schlauch läuft die Innenseite des Arms entlang.

4

Mehrere Messungen

Zwei bis drei Messungen im Minutenabstand nehmen und den Durchschnitt verwenden.

5

Ergebnis einordnen

Mit der AHA-Tabelle oben vergleichen. Bei dauerhaft erhöhten Werten oder einem Wert ≥ 180/120 sofort einen Arzt aufsuchen.

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Blutdrucktabelle

Häufig gestellte Fragen

Q: Welchen Arm soll ich verwenden?

A: Den vom Arzt empfohlenen Arm, oder beim ersten Mal beide messen. Bei konstantem Unterschied immer den Arm mit dem höheren Wert verwenden.

Q: Warum ist mein Blutdruck beim Arzt höher?

A: Das nennt sich "Weißkittel-Hypertonie" — Aufregung erhöht den Blutdruck vorübergehend. Heimmessungen sind oft genauer.

Q: Wie oft soll ich meinen Blutdruck messen?

A: Bei normalen Werten ohne Risikofaktoren reicht einmal jährlich beim Check-up. Bei Bluthochdruck oder Medikamenten empfiehlt der Arzt möglicherweise tägliches Messen.